Schweizer Meisterschaften auf dem Rotsee: zehnmal Edelmetall

Drei intensive Tage auf dem Rotsee liegen hinter dem Ruderclub Baden. Von den Juniorinnen und Junioren über die Elite bis zu den Masters war der RCB in zahlreichen Finalrennen vertreten. Am Ende gab es zehn Podestplätze zu feiern.

Mit 751 gemeldeten Booten verzeichneten die Schweizer Meisterschaften einen neuen Melderekord. Für viele Athletinnen und Athleten bleibt es etwas ganz Besonderes, am Rotsee an den Start zu gehen.
In den beiden Clubzelten des RCB herrschte während der drei Tage eine Mischung aus konzentrierter Rennvorbereitung, Nervosität und gegenseitiger Unterstützung.
Damit die Juniorinnen und Junioren bei all dem Trubel den Fokus nicht verloren, hatte Headcoach Mischa mit seinem Team direkt an der Regattastrecke eine spezielle Fokuszone eingerichtet. Hier konnten sich die jungen Athletinnen und Athleten vor ihren Rennen zurückziehen, sammeln und auf ihre Aufgabe konzentrieren. Eine gute Idee, denn bei einem Grossanlass wie den Schweizer Meisterschaften gibt es viel Ablenkung: Familie, Freunde, Clubkolleginnen und -kollegen und natürlich der ganze Rummel rund um die Regattastrecke.

Ladina: «Heute werde ich Schweizer Meisterin!»

Eine ganz besondere Geschichte schrieb Ladina. Die amtierende Schweizer Meisterin wurde ausgerechnet kurz vor den Titelkämpfen von einem Magen-Darm-Virus ausgebremst. Lange war unklar, ob sie überhaupt rechtzeitig wieder zu ihrer gewohnten Form finden würde.
Doch am Morgen des Finaltages gab es offenbar keine Zweifel mehr. Ladina erklärte ihrer Mutter entschlossen: «Heute werde ich Schweizer Meisterin.»
Gesagt, getan. Gemeinsam mit Edna gewann sie den Doppelzweier der U17 und sicherte sich erneut einen Schweizer Meistertitel. Doch damit war das Programm noch lange nicht beendet. Im Einer kämpfte sich Ladina trotz der schwierigen Vorbereitung bis in den A-Final. Dort mobilisierte sie noch einmal alle Reserven und sprintete mit einem fulminanten Endspurt auf den dritten Rang.

Ladina holte sich die Bronzemedaille im U17 Skiff

Auch ein weiteres U17-Juniorinnenboot überzeugte: Julia, Anaïs, Isabel und Edna erkämpften im Doppelvierer die Bronzemedaille. Daphne schaffte im Einer ebenfalls den Sprung in den A-Final und belegte dort einen starken fünften Rang. Der U17-Vierer ohne Steuerfrau mit Julia, Anais, Isabel und Kayla verpasste das Podest mit Rang vier nur knapp.

Daphne im Skiff holte den 5. SM-Rang
Julia, Anaïs, Isabel und Edna erkämpften im Doppelvierer die Bronzemedaille

Auch bei den Junioren gab es erfreuliche Resultate. Luca erreichte im U17-Einer im B-Final den dritten Rang. Im Mixed-Doppelzweier U19 ruderten Maura und Alessio ebenfalls auf Rang drei im B-Final. Maura durfte sich zudem über einen Sieg im B-Final freuen, den sie gemeinsam mit ihrer Kollegin Camilla aus Schaffhausen in einer Renngemeinschaft erruderte.

Olivia – Frau der Stunde

Bei der Elite war Olivia die Frau der Stunde. Gemeinsam mit ihrer Partnerin Olivia Negrinotti vom SC Cerisio erreichte sie im Doppelzweier einen hervorragenden dritten Rang. Im Zweier ohne Steuerfrau legten die beiden sogar noch einen drauf und holten sich die Silbermedaille.

Und weil offenbar zwei Rennen noch nicht genug waren, gingen die beiden Olivias zusammen mit Barbara und Mila auch noch im Doppelvierer an den Start. Nach diesem Mammutprogramm reichte es noch für Rang fünf im A-Final.

Olivia Nacht und Olivia Negrinotti im Doppelzweier

Masters: Gold, Silber und jede Menge Erfahrung

Auch die Masters liessen sich nicht lumpen. Im Mixed-Doppelvierer gingen Teresa, Ewald, Ute und Bernhard an den Start und sorgten gleich für einen Start-Ziel-Sieg und damit Gold.

Bernhard und Ewald legten gleich noch einmal nach: Im Doppelvierer in Renngemeinschaft mit Arbon ruderten sie ebenfalls zum Sieg. Im Doppelzweier kam noch eine Silbermedaille dazu. Im gleichen Rennen holte sich Andreas mit seiner Renngemeinschaft aus Zürich und Kreuzlingen ebenfalls Silber.

Und auch der Masters-Frauenachter durfte aufs Podest. In Renngemeinschaft mit Cham erkämpften sich Teresa, Ruth, Kathrin, Tanja, Deborah, Sarah, Annik, Ute und Jonathan die Silbermedaille.

Ewald und Bernhard holten die Silbermedaille im Doppelzweier
Teresa, Ruth, Kathrin, Tanja, Deborah, Sarah, Annik, Ute und Jonathan (Cox) holten die Silbermedaille im Masters-Frauenachter

Zehn Medaillen – und mehr als das

Zehn Podestplätze sind eine stolze Bilanz. Doch Schweizer Meisterschaften lassen sich nicht allein in Medaillen messen. Es sind auch die Rennen, die knapp am Podest vorbeigehen, die persönlichen Fortschritte, der Mut, sich einer starken Konkurrenz zu stellen, und die Unterstützung am Ufer, die ein solches Wochenende ausmachen.

Und genau das war in diesem Jahr beim RCB zu spüren: Man freute sich gemeinsam über Siege, litt gemeinsam bei knappen Niederlagen und feuerte sich gegenseitig an.

Zurück im heimischen Bootshaus wurde der von Friedrich chauffierte Bootshänger abgeladen und die Boote wieder startklar gemacht. Das ging erstaunlich schnell – schliesslich wartete bereits der nächste wichtige Programmpunkt: die traditionelle Abschlussfeier.

Zuvor vergab Headcoach Mischa noch die schon fast legendären Sonderpokale im Jugendsport. Sie werden jedes Jahr mit Spannung erwartet und sollen die jungen Ruderinnen und Ruderer noch einmal zusätzlich für die kommende Saison motivieren.

Doch auch die Jugendlichen hatten sich etwas einfallen lassen. Als Dankeschön für den unermüdlichen Einsatz während der ganzen Saison hängten sie ihren Trainerinnen und Trainern kurzerhand selbst eine Medaille um. Eine kleine Geste, die wahrscheinlich mehr sagte als jede offizielle Dankesrede.

Unsere Präsidentin bedankte sich anschliessend bei allen Trainerinnen und Trainern für ihr grosses Engagement. Ein besonderer Dank ging auch an die Eltern: Jede Regatta bedeutet schliesslich lange Fahrten, frühes Aufstehen, Betreuung und viel Zeitaufwand. Und natürlich wurden auch die vielen freiwilligen Helferinnen und Helfer nicht vergessen – allen voran die Bootshängerfahrer, ohne die manches Regattawochenende gar nicht erst stattfinden könnte.

Pizza für alle

Nach den offiziellen Dankesworten war es Zeit, den Regattastress endgültig hinter sich zu lassen. Jugend- und Leistungssportchef Daniel Wiederkehr hatte bei der benachbarten Pizzeria an der Limmat Salate und Pizza organisiert. Nach drei langen Renntagen war der Hunger entsprechend gross, und die Pizzen fanden reissenden Absatz.

Wie geht es weiter beim Jugendsport?

Nach der Saison ist vor der Saison – und bei unserem Nachwuchs geht es direkt weiter. Im U13/14-Bereich soll das Team weiter vergrössert werden, um möglichst viele Kinder aus den Einsteigerkursen für das Regattafahren zu begeistern. Ein erster Versuch, Regattaluft zu schnuppern, wird dabei sicher wieder die Regatta am Schwarzsee sein.

Auch das gemeinsame Rudern im Team soll weiter an Bedeutung gewinnen. Wir möchten unsere jungen Ruderinnen und Ruderer vermehrt ins Grossboot bringen – mit dem Ziel, im nächsten Jahr einen U19-Achter und einen U17-Vierer ohne an den Start zu bringen. Gemeinsam rudern, gemeinsam trainieren und gemeinsam Rennen bestreiten – das ist schliesslich auch ein wichtiger Teil des Rudersports.

Bei Ladina und den weiteren Talenten geht es darum, die Erfahrungen aus der vergangenen Saison mitzunehmen und weiterzuentwickeln. Das Gelernte soll im Training nach den Vorgaben von Swiss Olympics umgesetzt werden, gleichzeitig gilt es, sich gezielt auf die SRV-Tests vorzubereiten. Und bei all den Trainingsplänen, Tests und Wettkämpfen darf eines natürlich nicht verloren gehen: die Freude am Rudern. Denn wer Spass im Boot hat, bleibt dran – und kann sich weiterentwickeln.

Text: Teresa Widmer
Bilder: Jonathan Kaufmann

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